Sonntag, 22. Juli 2012

Die Apokalypse und sonstige Katastrophensucht

Bad news are good news. Dieses Sprichwort gilt wohl, seit es so etwas wie Medien gibt, also quasi seit Kommunikation stattfindet. Schlechte Nachrichten erregen Aufmerksamkeit und bleiben länger im Kopf. In der modernen Medienlandschaft geht kein Tag vorüber ohne eine neue Schreckensmeldung. Wenn wir diese Art von Nachrichten nicht gewohnt wären, würden wir wahrscheinlich sofort mit dem Weltuntergang rechnen.

Wobei...
Die Welt geht schon unter. Die Eurokrise stürzt unser Wirtschaftssystem in den Abgrund. Gierige Spekulanten und sonstige Unmenschen kennen keine Moral mehr. Nicht zu vergessen die Bevölkerungsexplosion und der daraus resultierende Welthunger. Nebenbei rücken uns Terroristen auf die Pelle. Als Krönung des Ganzen haben wir uns, durch den Austoß verschiedener Gase, in einen Klimawandel manövriert.
Das war nur eine unvollständige Aufzählung, bei genauerer Betrachtung fallen jedem sicherlich noch ein paar andere Gründe ein.

Warum die Apokalypse aller Voraussicht nach trotzdem noch auf sich warten lässt....
Wie schon oben beschrieben, lieben Menschen auf eine seltsame Art Katastrophen, selbst in der Bibel finden sich viele Katastrophen und Vorhersagungen von solchen. Im Alten Testament ist es Noah, der der Sinnflut entgeht. Als Abschlusskapitel der Bibel bleibt Genesis mit der Aussicht auf eine Apokalypse.
Jede Generation hat eigene Gründe für "ihren" Weltuntergang gefunden. Früher waren es noch die Götter, die mit Naturkatastrophen dafür sorgten. Blitz und Donner wurde als Zorn der Götter gewertet. Später mit der Erfindung von Sesshaftigkeit und Besitz waren es Räuber, Kriege, Brände etc.

Die Gründe für eine Katastrophe wechselten über die Jahrtausende, frühere Risiken erscheinen uns im Rückblick nicht mehr so schlimm. Wir brauchen uns zum Beispiel keine Gedanken mehr zu machen, wie wir über den nächsten Winter kommen und großflächige Raubzüge durch Wikinger sind auch nicht zu erwarten. Versicherungen erleichtern uns die Folgen von Naturkatastrophen und zumindest in Europa ist kein Krieg absehbar. 
Doch genauso, wie wir das Risiko dieser Gefahren unterschätzen, welche für unsere Vorfahren existenziell waren , überschätzen wir vielleicht die Risiken unserer Zeit. Das passierte und passiert aus gutem Grund. Eine Katastrophe bietet einen Ausweg. In diesem Falle hätte man die Chance nochmals neu anzufangen, man würde dem jetzigen, vielleicht langweiligen Leben entrinnen, was aufregend ist. Eine besondere Situation erfordert besondere Maßnahmen, man könnte im Überlebensfall vielleicht als Held hervorgehen. In diesem Sinne brauchen wir eine drohende Katastrophe auch ein bisschen für unsere Psyche, als Gelgenheit dem Alltag zu entfliehen und nochmal alles ganz anders zu machen. Sozusagen als guten Grund endlich mal eine Gesellschaft mit den eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen zu haben, also ziemlich ähnlich wie bei Noah.

Trotzdem sollten wir gerade bei der heutigen Überflutung mit Katastrophenszenarien und schlechten Nachrichten auf uns selbst aufpassen. Wir dürfen uns nicht darin verlieren, nur noch über Katastrophen und deren Folgen nachzudenken, sondern sollten unsere Konzentration darauf lenken, Lösungen für Probleme, die jetzt anstehen, zu finden. Die Kunst ist, unter den gegebenen Umständen nach den eigenen Werten zu leben und jetzt ein "Held" zu sein.
Den Zeitpunkt einer eventuellen Apokalypse weiß niemand und selbst, falls es jemanden gäbe, hoffte ich darauf, dass viele wie Martin Luther handeln würden, der sagte: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen."

Dienstag, 17. Juli 2012

Hinter den Kulissen....

Die Bühne präsentiert uns etwas, eine Scheinwelt, sie soll unterhalten, informieren und präsentieren. Was davor, dannach und dahinter abläuft, interessiert nicht, im Idealfall verliert sich das Publikum im Dargebotenen.

Ist nicht das ganze Leben eine Bühne?
Sind wir nicht alle Schauspieler? Jeder spielt in der Hauptrolle "mein Leben". Die Nebenrollen wechseln mit jeder Lebensphase: zuallererst Kind, Freund, Schüler, später dann Student, Angestellter, Chef, Mama oder Papa...für jede Rolle gibt es ein Regiebuch. Das Publikum sind unsere Mitmenschen, die Erwartung, man hält sich an die Normen und das Verhalten, das der jeweiligen Rolle gebührt. Missachtung der Regeln führt zur Abgrenzung und zum Verlust von Vertrauen, Ansehen....
Jede Rolle hat den Vorteil, dass sie Identität stiftet, nicht umsonst ist die Frage nach dem Beruf eine der ersten. Die jeweilige Rolle bietet die Möglichkeit sich schnell und einfach gewisse Charakterzüge, Vorurteile oder Ansehen zu eigen zu machen. Im Beruf beziehen oft gerade Führungskräfte ihr Selbstbewusstsein und ihr Ansehen aus der jeweiligen Postion. Im Privatleben gelten genauso Regeln, wie zum Beispiel der Respekt vor älteren Mitmenschen etc. Das Ganze hilft dabei in sozialen Strukturen zurechtzukommen.

Die Gefahren des Rollendenkens. 
Wenn das "Ich"  nur über eine Rolle definiert wird:
Wer nur in einer Rolle aufgeht, der erleidet nach einiger Zeit sicherlich Schiffbruch. Das kann daran liegen, dass man die Rolle aus körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen nicht mehr erfüllen kann oder dass sich die Zeiten ändern. Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, der Ruhestand ansteht, immer dann ist die Gefahr, in ein Loch zu fallen, sehr groß, insbesondere wenn es keinen Ausgleich für diesen Verlust gibt.
Zum anderen ist es gefährlich, den Lebensinhalt zu sehr an eine Rolle zu ketten, ein plötzliches Umschwanken von Umwelteinflüssen oder das eigene Fehlverhalten können den ganzen Schein von einem zum anderen Moment platzen lassen. Wieviele Karrieren haben so schon so geendet! Beim einen ist es der Doktortitel, der zum Verhängnis wird, der andere hat sich verspekuliert oder ist nicht über eine Trennung hinweg gekommen. 

Die größte Gefahr des Rollenverständnisses sehe ich aber nicht in der Selbstzerstörung, sondern in dem gesellschaftlichen Druck, der aus einer Rolle entsteht. Historisch finden sich hierfür unzählige Beispiele, die alle ein ähnliches Muster haben. Wie lange waren beispielsweise Scheidungen verpönt und seit wann dürfen Frauen arbeiten? Das jeweilige Rollenbild hat das über Jahrhunderte nicht zugelassen. Auch heute noch finden sich unzählige Gruppen, die dem Druck, der aus ihrer Rolle entsteht, standhalten müssen. War der Banker früher noch ein angesehener Beruf, ist er durch die Finanzkrise deutlich in Verruf geraten, unter diesem Verlust von Ansehen leiden aber nicht nur die Verursacher, sondern alle. 

Im Angesicht der vielen Verstrickungen bleibt wohl nur, dass man sich gegenseitig das "Menschsein" eingesteht. Jeder spielt seine Rolle perfekt, Fehler und Fehltritte sind menschlich. Die Achtung, vor allem vor dem "Ich", muss jeder für sich wahren, alles unauthentisch, nur gespielte macht keinen Sinn. Erst wenn der Vorhang fällt, ist es für Ehrlichkeit zu spät.

PS: Mein Dank für den schönen Titel dieser Idee gilt: Felix, Jan, Lukas und Tobias. Wem die Idee gefällt, der darf sie gerne (mit)-teilen.


Donnerstag, 12. Juli 2012

Weil Du so schön bist, mein Heimatland...

Das Kinderfest und Heimatfest 2012 ist gestern zu Ende gegangen. In meiner Heimat Isny stand in diesen vier Tagen, wie jedes Jahr, alles Kopf. Genauso wie an Weihnachten ist es ein Zeitpunkt, an dem jeder, der es "einrichten" kann, nach Hause fährt, um sich mit alten und neuen Bekannten zu treffen.

Warum übt die Heimat aber eine solch große Anziehung auf uns aus?
Zum einen natürlich, wie gesagt der Menschen wegen, in der Regel kennt man enorm viele Menschen und möchte wissen, was der ein oder andere die letzte Zeit getrieben hat.
Andererseits sind mit der Heimat viele Erinnerungen an die Kindheit oder eine Lebensphase verbunden. Der ein oder andere Platz oder Geruch hilft sich vergessen Geglaubtes wieder zu vergegenwärtigen.
Alles in allem gibt die Heimat ein Stück Sicherheit und Beständigkeit. Dabei ist zu beachten, dass der Mensch  Verdrängungskünstler des Negativen ist und mit Blick auf die Vergangenheit erscheint die Heimat, wie vieles andere, den meisten als etwas Gutes, getreu dem Motto "früher war alles besser". Diese Gefühle wollen die meisten bewahren, was dazu führt, dass die eigene Heimat etwas ganz Besonderes ist. In ihr wird entweder gelebt oder sie wird von der Ferne aus verehrt.

Wenn es um die Heimat geht, neigen wir auch dazu irrationale Entscheidungen zu treffen. In jedem Land kann beispielsweise beobachtet werden, dass die jeweilige Bevölkerung überproportional dort investiert, auch wenn es vernünftiger wäre, das Risiko durch Streuung von Geldern in verschiedene Länder zu minimieren.
Andere, wie zum Beispiel frühere Gastarbeiter, verließen ihr Land, um in der Fremde zu arbeiten. Der Plan von vielen war, nach einigen Jahren mit vollen Taschen zurückzukehren. Anstelle dessen sind sie oft geblieben oder haben zumindest den Großteil ihrer Lebenszeit der Heimat nur nachgetrauert und sind erst im Alter zurückgekehrt.

Die Heimat ist eben eine der wenigen Konstanten in der schnelllebigen Zeit. Deshalb finde ich es schön, eine zu haben. Die gesellschaftliche Herausforderung,die sich jeder "Heimat" stellt, ist, die Traditionen und die Umwelt zu erhalten und trotzdem eine Weiterentwicklung zuzulassen. In Isny gelingt dieser Balanceakt seit 969 Jahren und ich bin zuversichtlich, dass er auch weiter glückt. 


Sonntag, 8. Juli 2012

Soziale Allergie

Die Heuschnupfenzeit, neigt sich glücklicherweise dem Ende zu. Die juckenden und brennenden Schleimhäute können sich bis nächstes Jahr wieder beruhigen. Allergien gehören heute zum Alltag, fast jeder kämpft mit einer Allergie im herkömmlichen Sinn.

Eine Allergie die den wenigsten bewusst ist, die aber alle haben ist, die soziale Allergie. Das allergische Verhalten gegen das Benehmen unserer Mitmenschen und unsere eigenen Unzulänglichkeiten. In der Umgangssprache heißt das "angenervt" sein. Genervt von der Unordnung, der Sprechweise oder was auch immer, die Allergie kennt hier keine Grenzen. 
Beim ersten Kontakt ist man noch tolerant, je länger jedoch eine Beziehung besteht, desto sensibler fällt in der Regel die Reaktion auf die Macken des Gegenübers aus, es staut sich förmlich auf. Das ist auch der Grund warum wir viel öfter von uns vertrauten Personen genervt werden, wie von Fremden.
Zusätzlich spielt die Alltagsbelastung eine Rolle, je mehr Stress sich schon angesammelt hat, desto heftiger fällt die Reaktion aus. Eine Kleinigkeit kann am Schluss das Fass zum Überlaufen bringen, die berühmten Nachbarschaftsstreitereien mit zum Teil tödlichem Ausgang sind ein erstklassiges Beispiel.

Gegen diese Art von Allergie gibt es keine Arznei. Selbst der Verstand hilft in der Situation wenig, da der Ausbruch höchst emotional geprägt ist, für Argumente jeglicher Art ist man dabei nicht offen. Ein pragmatischer Weg, dem Ganzen zu entgehen, wäre, sich sozial zu isolieren, dann könnten schonmal alle Macken der anderen keinen "Schaden" anrichten. Es ist aber keine Alternative, am Schluss als Einzelgänger dazustehen. Vor einer Person ist man außerdem nie in Sicherheit und das ist man selbst, weil das eigene Verhalten genauso eine genervte Reaktion hervorrufen kann.
Das Einzige, was bleibt, ist, so gut es geht den Blickwinkel zu wechseln, sich vor der Eskalation zurückzu- ziehen, allein darüber nachzudenken und die Wichtigkeit dieser zumeist Nichtigkeiten richtig einzustufen.

Ich wünsche Euch ein gutes Durchstehen dieser alljährlichen Allergiezeit. Bei wem ich noch keine Allergie hervorrufe, der darf  wie immer teilen, liken und weitersagen;).


Montag, 2. Juli 2012

Das letzte Mal

Beim letzten Mal könnte ich immer sentimental werden. Beim letzten Mal schwingt immer etwas Trauer mit, dass wieder etwas vorbei ist. Beim letzten Mal breitet sich ein Gefühl der Ungewissheit aus, was wohl kommt.
Ich schau mir nochmal alles genau an, das ein oder andere Detail springt mir nochmal ins Auge. Ich atme nochmal tief den Geruch ein. Ich hör vielleicht nochmal das ein oder andere typische Geräusch.
Alles will ich in diesem Moment in meine Erinnerung aufsaugen.

Das letzte Mal ist schon was Verrücktes. Mit einer Ungewissheit und ein bisschen Aufregung schließt man eine Zeit ab. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, man hat wieder den Blick fürs Kleine und ist dankbar, entweder für die tolle Zeit, dass es vorbei ist oder beides.

Wir sollten deshalb das letzte Mal genießen. Denn es ist vorbei, für immer Vergangenheit. Somit hat jeder Moment ein Stück "letztesmal". Je öfter wir einen Moment mit diesen Augen betrachten, desto besonderer wird jeder Tag. Ich wünsche mir deshalb häufiger ein "letztesmal", um daran erinnert zu werden, wie einzigartig das Leben ist.

PS: Das war sicher nicht die letzte Idee, deshalb bitte weiterhin liken, teilen und weitersagen.