Dienstag, 17. Juli 2012

Hinter den Kulissen....

Die Bühne präsentiert uns etwas, eine Scheinwelt, sie soll unterhalten, informieren und präsentieren. Was davor, dannach und dahinter abläuft, interessiert nicht, im Idealfall verliert sich das Publikum im Dargebotenen.

Ist nicht das ganze Leben eine Bühne?
Sind wir nicht alle Schauspieler? Jeder spielt in der Hauptrolle "mein Leben". Die Nebenrollen wechseln mit jeder Lebensphase: zuallererst Kind, Freund, Schüler, später dann Student, Angestellter, Chef, Mama oder Papa...für jede Rolle gibt es ein Regiebuch. Das Publikum sind unsere Mitmenschen, die Erwartung, man hält sich an die Normen und das Verhalten, das der jeweiligen Rolle gebührt. Missachtung der Regeln führt zur Abgrenzung und zum Verlust von Vertrauen, Ansehen....
Jede Rolle hat den Vorteil, dass sie Identität stiftet, nicht umsonst ist die Frage nach dem Beruf eine der ersten. Die jeweilige Rolle bietet die Möglichkeit sich schnell und einfach gewisse Charakterzüge, Vorurteile oder Ansehen zu eigen zu machen. Im Beruf beziehen oft gerade Führungskräfte ihr Selbstbewusstsein und ihr Ansehen aus der jeweiligen Postion. Im Privatleben gelten genauso Regeln, wie zum Beispiel der Respekt vor älteren Mitmenschen etc. Das Ganze hilft dabei in sozialen Strukturen zurechtzukommen.

Die Gefahren des Rollendenkens. 
Wenn das "Ich"  nur über eine Rolle definiert wird:
Wer nur in einer Rolle aufgeht, der erleidet nach einiger Zeit sicherlich Schiffbruch. Das kann daran liegen, dass man die Rolle aus körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen nicht mehr erfüllen kann oder dass sich die Zeiten ändern. Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, der Ruhestand ansteht, immer dann ist die Gefahr, in ein Loch zu fallen, sehr groß, insbesondere wenn es keinen Ausgleich für diesen Verlust gibt.
Zum anderen ist es gefährlich, den Lebensinhalt zu sehr an eine Rolle zu ketten, ein plötzliches Umschwanken von Umwelteinflüssen oder das eigene Fehlverhalten können den ganzen Schein von einem zum anderen Moment platzen lassen. Wieviele Karrieren haben so schon so geendet! Beim einen ist es der Doktortitel, der zum Verhängnis wird, der andere hat sich verspekuliert oder ist nicht über eine Trennung hinweg gekommen. 

Die größte Gefahr des Rollenverständnisses sehe ich aber nicht in der Selbstzerstörung, sondern in dem gesellschaftlichen Druck, der aus einer Rolle entsteht. Historisch finden sich hierfür unzählige Beispiele, die alle ein ähnliches Muster haben. Wie lange waren beispielsweise Scheidungen verpönt und seit wann dürfen Frauen arbeiten? Das jeweilige Rollenbild hat das über Jahrhunderte nicht zugelassen. Auch heute noch finden sich unzählige Gruppen, die dem Druck, der aus ihrer Rolle entsteht, standhalten müssen. War der Banker früher noch ein angesehener Beruf, ist er durch die Finanzkrise deutlich in Verruf geraten, unter diesem Verlust von Ansehen leiden aber nicht nur die Verursacher, sondern alle. 

Im Angesicht der vielen Verstrickungen bleibt wohl nur, dass man sich gegenseitig das "Menschsein" eingesteht. Jeder spielt seine Rolle perfekt, Fehler und Fehltritte sind menschlich. Die Achtung, vor allem vor dem "Ich", muss jeder für sich wahren, alles unauthentisch, nur gespielte macht keinen Sinn. Erst wenn der Vorhang fällt, ist es für Ehrlichkeit zu spät.

PS: Mein Dank für den schönen Titel dieser Idee gilt: Felix, Jan, Lukas und Tobias. Wem die Idee gefällt, der darf sie gerne (mit)-teilen.


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