Das Kinderfest und Heimatfest 2012 ist gestern zu Ende gegangen. In meiner Heimat Isny stand in diesen vier Tagen, wie jedes Jahr, alles Kopf. Genauso wie an Weihnachten ist es ein Zeitpunkt, an dem jeder, der es "einrichten" kann, nach Hause fährt, um sich mit alten und neuen Bekannten zu treffen.
Warum übt die Heimat aber eine solch große Anziehung auf uns aus?
Zum einen natürlich, wie gesagt der Menschen wegen, in der Regel kennt man enorm viele Menschen und möchte wissen, was der ein oder andere die letzte Zeit getrieben hat.
Andererseits sind mit der Heimat viele Erinnerungen an die Kindheit oder eine Lebensphase verbunden. Der ein oder andere Platz oder Geruch hilft sich vergessen Geglaubtes wieder zu vergegenwärtigen.
Alles in allem gibt die Heimat ein Stück Sicherheit und Beständigkeit. Dabei ist zu beachten, dass der Mensch Verdrängungskünstler des Negativen ist und mit Blick auf die Vergangenheit erscheint die Heimat, wie vieles andere, den meisten als etwas Gutes, getreu dem Motto "früher war alles besser". Diese Gefühle wollen die meisten bewahren, was dazu führt, dass die eigene Heimat etwas ganz Besonderes ist. In ihr wird entweder gelebt oder sie wird von der Ferne aus verehrt.
Wenn es um die Heimat geht, neigen wir auch dazu irrationale Entscheidungen zu treffen. In jedem Land kann beispielsweise beobachtet werden, dass die jeweilige Bevölkerung überproportional dort investiert, auch wenn es vernünftiger wäre, das Risiko durch Streuung von Geldern in verschiedene Länder zu minimieren.
Andere, wie zum Beispiel frühere Gastarbeiter, verließen ihr Land, um in der Fremde zu arbeiten. Der Plan von vielen war, nach einigen Jahren mit vollen Taschen zurückzukehren. Anstelle dessen sind sie oft geblieben oder haben zumindest den Großteil ihrer Lebenszeit der Heimat nur nachgetrauert und sind erst im Alter zurückgekehrt.
Die Heimat ist eben eine der wenigen Konstanten in der schnelllebigen Zeit. Deshalb finde ich es schön, eine zu haben. Die gesellschaftliche Herausforderung,die sich jeder "Heimat" stellt, ist, die Traditionen und die Umwelt zu erhalten und trotzdem eine Weiterentwicklung zuzulassen. In Isny gelingt dieser Balanceakt seit 969 Jahren und ich bin zuversichtlich, dass er auch weiter glückt.
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