Samstag, 30. Juni 2012

Zweiter werden

Es ist leider mal wieder vorzeitig vorbei, unsere Jungs werden am Sonntag nicht auf dem Feld stehen. Ein Fluch in doppelter Hinsicht wurde uns vergangenen Donnerstag wie schon des öfteren zum Verhängnis: Ausscheiden im Halbfinale und das gegen Italien. -Das war bitter.

Ein Tunier wie dieses lässt auch keine Alltagsausreden durch. In einem Wettkampf wie der EM gibt es eine klare Entscheidung: Wenn es aus ist, ist es aus, da hilft kein Schönreden mehr. Wohingegen im Alltag die Dinge oft nicht so klar sind, es ist häufig nicht einfach nachvollziehbar, wer Gewinner oder Verlierer ist, vielleicht gibt es auch keinen. Trotzdem wollen wir die meisten Entscheidungen in eine solche Kategorie stecken, ein so genanntes Nullsummenspiel, einer gewinnt, einer verliert, das Ergebnis am Ende ist Null.

Die Welt der Menschen wäre, wenn es nur dieses gäbe, zum einen einfacher, zum anderen schrecklicher. Alles, was sich am Ende für den (vermeintlich) Unterlegenen als Ausrede gebrauchen ließe, würde nicht mehr zählen, wie bei der EM, wäre der Verlierer Verlierer, der Gewinner Gewinner. Medien und die Gesellschaft möchten uns glauben machen, dass jede Entscheidung so funktioniert,  dass es keinen Kompromiss gibt.

Zum Glück ist die Wirklichkeit eine andere, dadurch ergibt sich die Chance, selbst als "Verlierer" den Blickwinkel zu wechseln und den persönlichen Zugewinn zu sehen. Des Weiteren kennen wir seit neuerer Zeit in unserem "denglishen" Wortschatz das Wort: "Win-Win-Situation", was endlich zwei Gewinner zulässt.

Was andererseits nicht passieren darf, ist ein dauerhafter Zustand des sich mit Wenigem Abfindens und selbst Zurücksteckens, beim nächsten Mal heißt es, genauso wie im Fußball, alles geben bis zur letzten Minute, nicht aufgeben und weder dem Selbstmitleid noch der Lethargie verfallen.

Eine kleine Anmerkung noch zum Schluss: Trotz Nullsummenspiels der EM, sollten wir uns folgende Statistik vor Augen führen und nicht uns selbst, sondern dem Vize-Europmeister am Sonntag unser Mitleid schenken. Denn diese sind statistisch gesehen am unglücklichsten. Im direkten Vergleich mit dem Ersten denken sie immer daran, es nach fast ganz oben geschafft zu haben, Dritte hingegen sind glücklich noch aufs Treppchen zu kommen und besser als der Vierte gewesen zu sein. -Also genießen wir unseren dritten Platz (gegen Portugal haben wir schließlich schon gewonnen;).

Wer noch mehr über Nullsummenspiele wissen möchte, dem lege ich folgendes Buch ans Herz: "Anleitung zum Unglücklichsein" ein sehr amüsantes und paradoxes Werk von Paul Watzlawick.

Es freut mich, wenn ich Euch etwas zum Nachdenken bringen konnte und der erste Groll aus dem vergangenen Spiel abgebaut wurde. Lasst diese Erleicherterung auch Euren Freunden zu kommen, teilt, liked und sagt den Blog dazu einfach weiter.

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