Im Frühjahr blüht es so langsam, im Sommer ist alles grün und im Herbst fallen die Blätter wieder ab. Jedes Essen geht seinen Weg durch Dich, unabhängig davon, ob es Dir schmeckte oder nicht. Altes weicht, um Neuem Platz zu machen. Verbrauchtes geht und setzt frisches Leben und Energie frei.
Während der Kreislauf im biologischen Zusammenhang selbstverständlich ist, ist es in der Beziehungsebene zu Personen oder Gegenständen manchmal schwierig zu akzeptieren. Es wird an Freundschaften, an Partnerschaften oder an Souvenirs aus dem Urlaub festgehalten, selbst wenn damit Negatives verbunden wird. Die Ägyptenreise war beispielsweise ein Reinfall, doch die Souvenirsphinx steht trotzdem noch im Schrank. Ein "alter Freund" ist eingeschnappt, weil Du Dich nicht mehr gemeldet hast. Anstatt es der Natur gleich zu tun, hoffen wir stetig auf Besserung und binden uns so einen Klotz "der guten alten Zeit" ans Bein.
Aus einem Sicherheitsgedanken geboren, halten wir an Bekanntem fest statt unsere Energie auf Neues zu konzentrieren. Einen Fortschritt der Persönlichkeit gibt es allerdings nur, wenn Du Dich neuen Herausforderungen stellst. Altes also aufgibst und Dich auf Neues einlässt. Wer tagein, tagaus mit seinen Bekannten verbringt, hat keine Zeit mehr für andere Kontakte. Wer seinen Platz mit Erinnerungsstücken aus vergangenen Jahren belegt, hat keinen mehr für neue.
Wie erkennst Du also die "time to say goodbye"?
Bei Gegenständen ist ein guter Gradmesser ein Blick in Deine Schränke und Regale. Bekommst Du die Türen noch zu? Selbst wenn, hinterfrage bei Gelegenheit trotzdem, ob Du dies oder jenes jemals wieder in die Hand nimmst oder ob es nur noch ein Staubfänger ist. Deine Mitmenschen können vielleicht mehr damit anfangen, die Bibliothek freut sich beispielsweise über eine Bücherspende etc.
Du magst jetzt einwenden, dass manche Stücke mit Erinnerungen behaftet sind, andererseits ist die Erinnerung immer in Dir. Der Urlaub, die Freundschaft... war ein Teil Deines Lebens, also ist das Souvenir wirklich notwendig?
In einer Beziehung ist es schon ein ganzes Stück schwieriger. Hier wird es wohl keinen "richtigen" Zeitpunkt geben. Der Moment ist nicht selten schmerzvoll, entweder weil eine wichtige Person verloren geht oder die Erkenntnis eingetreten ist, sich auseinander gelebt zu haben. In beiden Fällen entsteht ein Vakuum, das manchmal für immer bleibt.
Möglicherweise gibt es aber auch Menschen in Deinem Leben, die Dir schon seit längerem auf den "Senkel" gehen. Hier ist der beste Weg, die Person zu allererst auf ihr Verhalten anzusprechen (lese hier wie: Wer austeilen will, muss auch einstecken können). Im nächsten Schritt ist eine feste Frist für eine Verhaltensänderung auszumachen und diese einzuhalten. Sollte sich die Beziehung zur betroffenen Person nicht bessern, würde ich mir nicht länger die Laune verderben lassen. -Das Leben ist zu kurz dafür und es gibt viele "andere" wunderbare Menschen, die gerne Zeit mit Dir verbringen.
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