Dienstag, 22. Mai 2012

Lass Dich nicht verführen

Eigentlich müsste dieser Post der Reihenfolge nach vor dem letzten Post kommen. Mir ist die Idee aber erst durch das Nachdenken über das Thema Trennung gekommen. Was kommt, bevor man sich von etwas trennt?

Zuallererst kommt das Anschauen, der erste Eindruck. Aus diversen Studien ist bekannt, dass hier schon eine Entscheidung fällt - ob Du etwas toll findest oder ablehnst. Dabei spielt es häufig gar keine Rolle, wie die Person oder der Gegenstand ist, sondern mit welcher Stimmung Du darauf zugehst.

Danach kommt das Abtasten, es werden Hinweise auf die Korrektheit Deines Eindrucks gesammelt. Dein Verstand sucht nach einer logischen Erklärung, um den Eindruck zu rechtfertigen. Dabei ist interessant zu wissen, dass das Bewusstsein alle Impulse mit einer Verspätung von 0,3 Sekunden vom Unterbewusstsein erhält. Natürlich ist es möglich eine Entscheidung gegen die Intuition zu treffen, was dann allerdings häufig mit einem unguten Gefühl verbunden ist.

Im Falle eines positiven Ausgangs der beiden vorherigen Schritte, wird jetzt eine Neugierde beziehungsweise schon eine Begierde ausgelöst. Du überlegst jetzt, was, wo und wann Du etwas mit der z.B. neuen Hose anfangen kannst. Du probierst sie, malst Dir aus, wie gut Du damit bei Deinen Lieben ankommst.

Bei einem Konsumartikel kommt im letzten Schritt der Preis. Die Entscheidung fällt im Schmerz/ Freude-Prinzip. Ist der Schmerz über den Verlust des Geldes oder die Freude über den Artikel größer?
Wenn alle Eindrücke bist zu diesem Schritt gut waren, der Preis aber zu hoch ist, lässt Du es eventuell nochmal sein. Allerdings ist jetzt eine Art Samen gesetzt und das Verlangen danach wächst immer weiter an. Diesem Verlangen setzt Du Dich wiederum so lange aus, bis entweder eine Ersatzbefriedigung gefunden ist oder der Schmerz größer als der Verlust des Geldes ist.  

Es scheint also fast unmöglich diesem Verlauf zu entkommen. Die meisten Entscheidungen werden ohnehin im Unterbewussten getroffen. Ein recht düsteres Bild für unseren freien Verstand.

Natürlich gibt es hier auch einen Ausweg, indem Du Dir die Folgen Deines Verhaltens vergegenwärtigst.
Unterscheide mit deinem Verstand als erstes, ob es sich um einen Bedarf oder ein Bedürfnis handelt. Der Bedarf setzt einen elementaren Nutzen voraus, also beispielsweise, etwas zu essen oder neue Schuhe, wenn die alten kaputt sind. Ein Bedürfnis ist jedoch nur ein "Luxusproblem", wie zum Beispiel ein neues Auto, obwohl das alte noch funktioniert.  Handelt es sich bei Deinem Wunsch um einen Bedarf, solltest Du ihn decken, ist es ein Bedürfnis, dann lies weiter.

Werbung versucht gerade bei Luxusartikeln einen Bedarf weiszumachen, wo keiner ist. Darauf basiert zu einem gewissen Maß  unser Wirtschaftssystem: ohne "sinnlosen" Konsum kein Wachstum. Ein einfacher Test, ob Dir das Gekaufte trotzdem lange Freude bereitet, ist Folgendes: Versetze Dich in den Zustand, als hättest Du es schon gekauft. Schau Dir die Bilder an. Was ist es für ein Gefühl? Es ist bestimmt toll oder?
Jetzt mach einen Zeitsprung: Wie wird es sich in einer Woche anfühlen, z.B. diese neue Hose zu tragen? Wahrscheinlich ist es immer noch recht gut. Vergrößere den Zeitraum schrittweise auf einen Monat, dann ein Jahr. Je nachdem, um was es sich handelt, wirst Du feststellen, dass es im Moment zwar schön wäre, auf längere Sicht hingegen keine Freude mehr bereitet. Stelle Dir dann die Frage, wie häufig etwas im Laden und der ersten Woche schön war, nun aber nutzlos in Deinem Schrank oder Deiner Wohnung liegt. Handelt es sich um ein solches Stück, ist es im Ladenregal sicher besser aufgehoben als bei Dir zu Hause.

Als letzten Hinweis, mir persönlich hilft das auch, sollte man darüber nachdenken, unter welchen Bedingungen etwas erzeugt wurde und ob ich als Konsument dieses Verhalten der Hersteller unterstützen möchte.

Die Kaufentscheidung fällt Dir nach Lesen dieses Posts bestimmt nicht leichter. Dafür hast Du vielleicht den ein oder anderen Staubfänger weniger daheim und musst Dich nicht um die Entsorgung kümmern. Denn der Müll von morgen steht heute in den Regalen.

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