Mittwoch, 18. Januar 2012

Unsere Helfer die Vorurteile

Keiner gibts gerne zu, aber jeder hat sie - Vorurteile. Ich meine sogar, wir brauchen sie, denn ohne sie wären wir jeden Tag aufs Neue überfordert. Denn ist ein Vorurteil nicht nur eine Erfahrung, die wir aus der Erinnerung auf eine Situation anwenden? 
Jeder von uns hat zum Beispiel das "Vorurteil", dass eine Herdplatte heiß ist. Entweder aus einer schmerzlichen Erfahrung heraus oder aber aus der Beschreibung anderer. Dieses Vorurteil hilft uns jeden Tag dabei richtig mit dieser umzugehen. Wenn wir nicht eine Menge dieser Vorurteile hätten, wäre es unmöglich, sich auf dieser Welt zurecht zu finden.

Doch genauso wie bei Gegenständen verhält es sich auch bei Menschen. Wir kommen nicht ohne Vorurteile aus. Aus evolutionärer Sicht machen Vorurteile mehr als Sinn. In Gefahrensituationen mussten unsere Vorfahren schließlich blitzschnell entscheiden: Freund oder Feind. Diese Fähigkeit hat dazu beigetragen, dass die Menschheit überlebte.
Heute scheint es nicht mehr soviel Sinn zu machen, jeder will schließlich offen sein. Offen für andere Kulturen, offen für Menschen anderer Herkunft und offen für Neues. Doch unser Gehirn ist noch nicht soweit. Selbst wer sich bewusst als offen einstuft, hat unterbewusste Vorurteile.

Dabei verhält es sich im Grunde ähnlich wie beim Pepsi/ Cola -Test. Blindtester geben zum Großteil an, dass ihnen Pepsi besser schmeckt, wohingegen wenn die Verpackung gezeigt wird Coca Cola besser abschneidet.

Ähnliches passiert mit Menschen. Große Menschen werden beispielsweise gemeinhin als kompetenter eingestuft als kleine und das passiert alles ohne unseren Verstand.  Interessant ist, dass nach der Entscheidung der Verstand nur noch dafür zuständig ist rationale Begründungen für diese Entscheidung zu finden. Damit generiert er das Gefühl, die Entscheidung bewusst getroffen zu haben, in Wirklichkeit ist sie aber schon längst gefallen.
 
Eine Methode wäre sein Unterbewusstsein umzuprogrammieren, es sozusagen mit neuen Vorurteilen zu füttern. Menschen, die sich also zum Beispiel viel mit dem Gedanken beschäftigen, dass kleine Menschen intelligenter, besser,  teamfähiger sind, werden nach einiger Zeit ein neues Vorurteil bilden, welches ebenso ohne das bewusste Wissen angewendet wird. Was mir aber auch nicht sinnvoll erscheint, denn so wird auch keine bessere Entscheidung getroffen.
Als einzige Möglichkeit, ein "fast" komplett vorurteilsfreies Urteil zu bilden, bleibt also nur der Blindtest, bei welchem die Aufmerksamkeit allein auf der zu bewertenden Tatsache/Person liegt. Ansonsten neigt das Unterbewustsein, wie oben beschrieben, dazu die Verpackung mit zu kaufen.
Natürlich zählt zu den „Verpackungen“ einer Person nicht nur das Aussehen. Die meisten Menschen nutzen jedoch die visuelle Repräsentation am stärksten, weshalb diese auch den größten Einfluss auf ein Vorurteil hat.

Letztendlich bleibt in der Praxis also nichts anderes übrig, als auf sein Unterbwusstsein zu vertrauen. Es macht aber trotzdem Sinn, gerade wenn auf den ersten Blick jemand unsympathisch erscheint, sich in Gedanken an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit nochmal zu fragen: „Warum?“

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